Ein Beitrag von Philipp Klöckener

Erstellt am 26.01.2021
Durchschnittliche Lesedauer: 4 Minuten

DGUV Grundlagen kurz erklärt

Die Sicherheitsregeln

Philipp Janczewski hat dir bereits die verschiedenen HV-Qualifikationsstufen aufgezeigt. Ich zeige dir einen weiteren Ausschnitt aus der DGUV Info 209-093 und unseren HV-Trainings.

Wenn du bereits einen Blick in das Dokument der Berufsgenossenschaft geworfen hast, dürftest du auch schon über die 5 Sicherheitsregeln gestolpert sein.

Wie Philipp bereits erwähnt hat, gehen von HV-Fahrzeugen Gefahren durch den elektrischen Strom aus. Da bei den Stufen 1 und 2 nicht an unter Spannung stehenden Teilen gearbeitet werden darf, muss vor Beginn der Arbeiten die Spannungsfreiheit sichergestellt werden. Genau hierfür gibt es die 5 Sicherheitsregeln.

So, zwei Anmerkungen vorab:

  • Du wirst in der Werkstatt (in der Regel) nie alle 5 Sicherheitsregeln anwenden
  • Die 5 Sicherheitsregeln sollte jeder Mitarbeiter, der an HV-Fahrzeugen arbeitet im Schlaf aufsagen können – vor Beginn der Wartungs- und Reparaturarbeiten sind die notwendigen Regeln zwingend anzuwenden, denn wie Philipp schon gesagt hat: Safety first!
Die 5 Sicherheitsregeln sind in der angegebenen Reihenfolge einzuhalten:

1. Freischalten
2. Gegen Wiedereinschalten sichern
3. Spannungsfreiheit feststellen
4. Erden und kurzschließen
5. Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken und abschranken

Regel1: Freischalten

Regel 1: Freischalten

Hiermit ist das Deaktivieren des HV-Systems gemeint. Zunächst musst du (wer hätte es gedacht) die Zündung ausschalten. Je nach Fahrzeugmodell gibt es dann verschiedene Möglichkeiten, das System herunterzufahren, z.B. durch Ziehen des Service-Disconnect-Steckers oder des Batterie-Hauptschalters. Schau dir hierzu einfach die Herstellerangaben an.

Wenn du hier nicht fündig wirst, wirf einen Blick in die Rettungskarte. Die Fahrzeug-Rettungskarte findest du auf den Webseiten der Fahrzeughersteller. Was das genau ist und wofür du die Rettungskarte brauchst, erfährst du in einem weiteren Beitrag!

Regel 2: Sichern

Regel 2: Gegen Wiedereinschalten sichern

Um unbefugten Zugriff zu unterbinden, musst du das System gegen Wiedereinschalten sichern. Dieser Schritt ist sehr wichtig, insbesondere für die Personen, die dann am Fahrzeug arbeiten.

Wenn jemand das System wieder aktiviert, während eine Person am Fahrzeug arbeitet, kann das ganz schön schiefgehen. Wir bei ZF haben hierfür ein spezielles Schild, das wir an allen Komponenten anbringen, die nicht wiedereingeschalten werden dürfen. Du kannst unsere Vorlage auch für deinen Betrieb verwenden: Nicht-Schalten-Schild.

Regel 3: Spannungsfreiheit testen

Regel 3: Spannungsfreiheit feststellen

Vor Beginn aller Arbeiten ist dieser Schritt unerlässlich. Damit du die vorherigen Schritte überprüfen kannst und sicher gehst, dass alles geklappt hat, musst du die Spannungsfreiheit feststellen. Die Spannungsfreiheit kannst du mithilfe eines zweipoligen Spannungsprüfers feststellen.

In diesen Beiträgen findest du alle Werkzeuge und Hilfsmittel, die du für das Arbeiten an HV-Fahrzeugen benötigst:

In den verschiedenen HV-Trainings lernst du, welche Schritte du außerdem beachten musst und wie du bei den Regeln 1-3 genau vorgehst. Du musst hierbei beachten, dass weder die DGUV Info 209-093 noch dieser Beitrag ausreicht, um dich tatsächlich für die Arbeiten an HV-Fahrzeugen zu qualifizieren. In HV-Trainings übst du die verschiedenen Schritte auch live, d.h. du bist danach perfekt für den tatsächlichen Einsatz in der Werkstatt vorbereitet.

Du siehst – das Thema ist im wahrsten Sinne des Wortes hochspannend (und komplex). Damit auch du handlungssicher arbeiten kannst und alle rechtlichen Vorschriften kennst und einhältst, melde dich einfach für die nächste Hochvolt-Schulung! Als kleinen Vorgeschmack auf das Training mit mir (oder Philipp Nr. 2), kannst du bereits den online Kurs für Stufe 1 absolvieren:

Über den Autor

Portrait Philipp Klöckener

Philipp Klöckener

Philipp ist als Concept Manager für die Sicherstellung der Service Readiness im Bereich der Autonomen Transportsysteme (ATS) bei ZF verantwortlich. Seine Vision als Teil der #zfexperts:

„Die individuelle Mobilität der Zukunft wird sich grundlegend verändern und wir werden Konzepte sehen an die wir heute noch gar nicht gedacht haben.“