Ein Beitrag von Philipp Janczewski

Erstellt am 22.01.2021
Durchschnittliche Lesedauer: 4 Minuten

Öl ist nicht gleich Öl

Getriebeöle mit besonderen Fähigkeiten

“Wer gut schmiert, der gut fährt” weiß der Volksmund. Wie man gut fährt, demonstriert unser 8HP in Autos wie dem aktuellen BMW M5 CS par excellence. Wie schmiert man das Getriebe jedoch gut, damit es immer so bleibt? Die Antwort auf diese Frage ist simpel und kompliziert zugleich: mit dem richtigen Öl.

Öl ist viel mehr als nur ein Schmierstoff. Es reinigt, schützt, kühlt, pflegt und leistet noch weitaus mehr. Zu jeder Zeit und immer in der richtigen Art und Weise. Wie ein Shampoo, das nicht schäumt, trotzdem gründlich reinigt, nicht abgewaschen werden muss und die Haut langfristig genau richtig pflegt. 70-80% macht hier das Basisöl aus. Dieses bestimmt beispielsweise die Qualität des Schmierstoffes, das Temperaturverhalten oder die Oxidationsbeständigkeit. Beim Rest handelt es sich um die eigentliche “Zauberzutat”: die Additive!

Verunreinigungen im Getriebeöl

Öl vers. Temperatur

Unsichtbar machen kann sich das Öl zwar damit nicht, auch kann es in diesem Fall nicht leuchten. Aber etwas viel Besseres: Ein Teil der Additive sorgt dafür, dass sich das Öl möglichst über alle Temperaturbereiche ähnlich verhält. Man sollte meinen, es wäre bei niedrigen Temperaturen dickflüssig und zäh, hingegen bei hohen Temperaturen dünnflüssig. Viskositäts- und Kältefließverbesserer wirken dem entgegen und sorgen für dieselbe Fließgeschwindigkeit über den gesamten Temperaturbereich. Auf diese Weise schaltet das Getriebe immer perfekt.

Reinigungs-Additive sorgen für die Sauberkeit im Getriebe, Dispersantien halten die Verunreinigungen so lange in Schwebe, bis sie im Filter landen. Wie kleine Schwimmwesten. Sollten die Verunreinigungen zu klein sein für den Filter, so fungieren Additive als Magnet und sammeln mehrere dieser Reste auf, bis sie insgesamt groß genug sind, um im Filter zu landen.

Ölpumpe wird mit ZF LifeguardFluid befüllt

Die Magie des Öls

Bei modernen Hybrid-Getrieben sorgen Additive dafür, dass die elektrische Spannung (gerne auch mal über 300V) nicht einfach ins Getriebe und das Steuergerät geleitet wird. Sie beeinflussen also auch die Leitfähigkeit des Öls.

Entschäumungs-Additive sorgen dafür, dass beispielsweise Zahnräder oder ein im Öl laufender Elektromotor möglichst wenig Schaum bilden. Sie sind der Grund dafür, warum ihr auf jeder Flasche des LifeguardFluid 8 und 9 den Hinweis findet, das Öl bitte vor dem Einfüllen zu schütteln, um sicher zu stellen, dass alles sauber vermischt ist. Im Auto übernimmt diese Aufgabe dann die Ölpumpe.

Genau diese Melange aus hochwertigen Basisölen und optimalen Additiven macht es erst möglich, dass unsere Getriebe sehr gut schalten, auch wenn mal 900Nm, wie im Falle des aktuellen Audi SQ7, über sie herfallen. Denn Additive verantworten das Thema Komfort und unterliegen auch einem Verschleiß. Sie werden im Laufe der Zeit aufgebraucht. Der Schmierstoff verliert daher sein optimales Funktionsspektrum über die Zeit. Je höher die Beanspruchung, desto schneller. Daher empfehlen wir bei hoher Beanspruchung einen regelmäßigen Getriebeölwechsel. Dazu gibt es in einem weiteren Artikel mehr Informationen.

Zu guter Letzt ist das richtige Öl schlichtweg in der Lage, sich in jeder nur denkbaren Situation nicht nur so zu verhalten, wie es das Steuergerät erwartet, sondern auch der Fahrer. Denn er bekommt von dieser ganzen Zauberei im Idealfall gar nichts mit.

Über den Autor

Portrait Philipp Janczewski

Philipp Janczewski

Philipp ist Internationaler Service-Ingenieur und arbeitet seit 2013 für ZF. Sein Motto bei den #zfexperts:

“Pferde kann man nie genug haben! Ganz gleich in welcher Form.”